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GTL | PRO - Stallgeflüster 2010 Spa Franchorchamps
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Stallgeflüster 2010
Spa Franchorchamps. 21 Kurven mit einem Höhenunterschied von 100 Metern auf 6966,1 Metern Asphalt, liebevoll in den belgischen Mutterboden geklöppelt. Schauplatz großer Siege von Ascari, Fangio, Prost oder Schumacher, aber auch Ort tragischer Tragödien wie dem Tod von Rennsportlegende Stefan Bellof.
Aber auch siebte Station der GTL-Pro-Sommersaison. 23 Fahrer standen auf der Zufahrt zur Eau Rouge am Start, überlegenes Macho-Lächeln für die Kameras, aber zitternde Knie unterhalb des Lenkrads. Christian Kratzer und Stefan Seiter starrten mit irrem Blick aus der ersten Startreihe durch den glasigen Mückenfriedhoff ihrer Panteras. Doch hinter den beiden wartete kein Kanonenfutter, sondern stahlharte Konkurrenz, Virtuosen am Lenkrad.
Thomas Schacht im BMW Grp.5 und Sascha Schmidt im Schweinchen Babe - 906 schüffelten am Auspuffqualm der beiden DeTomaso und kämpften daher mit einem leichten Sauerstoffdefizit. In der dritten Startreihe lauerte Mr. Bombastic Ersin Pinar im BMW, der süffisant lächelnd versuchte, Nebenmann Michael Zilch zu verunsichern, der aber in seinem versifften 911 eh nichts sehen konnte. Fritz Ladits schien mit seinem 914 auf Rang 18 eher abgeschlagen, hatte aber schon Dewran Pinar im BMW hinter sich halten können. Die letzte Reihe mit Startplatz 22 und 23 komplettierten Escort-Fahrer Ralf Bohle und der zweite 914 mit Mike Roller, der mit einer olympischen Strategie unterwegs war.
Das Startlicht erlischt, ebenso der Selbsterhaltungstrieb aller 23 Fahrer, und mit dem rechten Fuß nahe am Kühlergrill gings hinab und hinauf durch die Eau Rouge. Außer Chris Koepke, der seinen Opel Kadett noch von 3 jungen, mittellosen Studentinnen waschen ließ und daher irgendwie abgelenkt schien.Gut, man kann statt eines Putzlappens auch das T-Shirt nehmen, doch so können Wasserflecken entstehen, was Koepke aber völlig egal war.
Kratzer behauptet die Führung, Seiter drückt aber wie ein brünftiger Stier von hinten. Zilch und Preisig praktizieren den 911er-Paarflug und kassieren kompromißlos Sascha Schmidt, bevor sie dann spektakulär nebeneinander durch Les Combe schikanieren.
Volker Borghardt bugsiert seinen Capri elegant an Ersin vorbei, dessen Lächeln dabei zu einer schmerzverzerrten Grimasse mutiert. In Kurve 9, Malmedy, parkt Hoffnungsträger Hassan Bourouis seinen Capri kurz im Ardennenkies und übernimmt die rote Laterne. Kurz vor Ende der ersten Runde dann dieser verhängnisvolle Funkspruch aus Ladits´Box:" Der kleine Fritz wird gebeten, an die Box zu kommen. Er hat sein Pausenbrot vergessen!". Pflichtbewusst steuert unser Österreicher die Boxengasse an, gefolgt von Hassan, der seine frischmodellierten Krokant-Reifen wechseln will. Beide eilen nach langer Standzeit dem Feld hinterher. Runde drei, Lars Kuhlmann, auf Platz 9 liegend, prügelt seinen 911 die Eau Rouge hinauf. Leider gelten auch für Autos aus Zuffenhausen die Gesetze der Fliehkraft, und ein kleiner Ausflug in die handbemalte Auslaufzone kostet Lars knapp 10 Plätze.
Vier Runden später treibt Youngster Dewran Pinar den Kadett von Michel "Socke" Groteclaes vor sich her. Zufahrt La Source, Socke bremst, Dewran nicht, fruchtiger Abgang Socke in die großzügige Auslaufzone. Als Strafe musste Dewran nach dem Rennen seinen Schülerausweis fürs L.O.V.E.-Motorhome abgeben.
Knut Wegener hatte seinen Capri von seiner neuen Chefmechanikerin einstellen lassen, eine unterkühlte Mittvierzigerin mit dem Spitznamen "Eisbär-Bel". Folge war ein Fahrverhalten zwischen Ausflugsdampfer und Autoscooter, so das Knut wutentbrannt seinen Ford an die Box brachte und einige personelle Umstrukturierungen vornahm, was den Frauenanteil seines Teams drastisch absenkte.
Ab Runde 13 herrschte hektische Betriebsamkeit an der Box. Die Mechaniker wechselten Reifen, die Fahrer leerten einige Kisten Bier, die Boxenluder wurden grad von einigen Beamten des örtlichen Sittendezernats verhört. Nach kurzer Führung läuft auch Schmidt in die Box, Seiter übernimmt die Führung vor Kratzer, Schacht und Zilch. Im hinteren Feld balgen sich Ralf Bohle und die beiden Ford GT40-Piloten Oliver Kilian und Jochen Richter um Platz 15, das die Lederjacke nur so raucht.
Nach 26 Runden überquert Seiter als erster die Ziellinie, knapp dahinter Kratzer und das Duo Schacht/ Zilch. Schmidt wird 5. vor Pinar und Preisig, Borghardt wird 8. vor Robert Krupperts 911er, auf Platz 10 überragend und überraschend Friedrich Ladits im Porsche 914.
Fritz stellt seinen Ladyporsche nach dem Rennen gleich freudestrahlend bei ebay ein ("Von dem Geld kauf ich mir ein richtiges Auto!"), Seiter beantragt das Bundesverdienstkreuz für seinen Pantera-Mechaniker, und Frank Waschke, Platz 13 im 906, wurde am späten Abend noch tanzend auf der Landstrasse Richtung Monschau gesehen, nachdem er das Endergenis gesehen hatte mit Namen wie Richter und Kilian hinter ihm.
Fazit: Spa ist immer ein Renne wert, Österreicher sind auch in motorisierten Droschken sauschnell, und minderjährige BMW-Fahrer sollten keine Kadett-fahrenden Admins schubsen.
Aktualisiert (Samstag, den 24. Juli 2010 um 12:19 Uhr)



